Exkursions News

Twistringen vor 15 Millionen Jahren

veröffentlicht um 01.12.2013, 01:46 von Rainer Meyer

Weser-Kurier vom 1.12.2013


Norddeutschland vor 120 Millionen Jahren

veröffentlicht um 24.08.2012, 00:14 von Rainer Meyer

Jens Lehmann von der Uni Bremen sprach bei „Wissen um elf“ über frühe Zeugen eines Klimawandels-
Weser-Kurier vom 23.08.2012

Norddeutschland vor 120 Millionen Jahren

Von Christiane Tietjen

Altstadt. Jens Lehmann, der Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen, hat in der Reihe "Wissen um 11" darüber gesprochen, was ein weltweiter Meeresspiegelanstieg und eine Sauerstoffkrise bewirken. Der Untertitel seines Vortrages: "Norddeutschland und seine Lebewesen vor 120 Millionen Jahren".

Die Uni Bremen hat eine sehr wertvolle Gesteins- und Fossilien-Sammlung – mehr als 220000 Stück werden dort verwahrt. Viele davon sind vor über 100 Jahren gesammelt worden und damit auch ein Stück Bremer Kulturgut. "Zur Zeit versprechen die umfangreichen Grabungen Bremer Wissenschaftler an der Deutsch-Niederländischen Grenze in den Jahren 2009 bis 2012 einen ebenso wichtigen Schatz zu sichern", sagte Jens Lehmann, "denn dort waren die entsprechenden Gesteinsschichten zum letzten Mal in den 1960er-Jahren über Tage zugänglich." Wo bis vor kurzem der Bagger im Ton gegraben habe, grasten bald wieder Kühe – und umso wichtiger sei es, diese Gesteinsabfolge zu dokumentieren. Sie sei ein Beleg "eines subtropischen Meeres vor gut 120 Millionen Jahren in dieser Region". Das heutige Gestein sei damals Sediment am Grunde eines Meeresarmes, der Alstätter Bucht, gewesen, in einer Zeit, die weit vor den ersten Menschen und selbst vor dem Aussterben der Dinosaurier liegt.

In dem Forschungsprojekt stehen neben Untersuchungen am Gestein selbst, einschließlich geochemischer Untersuchungen, die mikroskopisch kleinen Organismen wie auch Makrofossilien im Fokus. Veränderungen in der Umwelt seien auch zu jener Zeit sehr drastisch gewesen, was Klimawandel, Meeresspiegelanstieg und Sauerstoffarmut im Meer betreffe, sagte Jens Lehmann. Dies sei ein Grund dafür, bei den heutigen Zukunftsprognosen etwas genauer in die erdgeschichtliche Vergangenheit zu schauen. Die vorgestellten Ergebnisse basieren auf einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt.

18. Mineralien- und Edelsteinbörse im Schulzentrum Moormannskamp

veröffentlicht um 06.03.2012, 00:39 von Rainer Meyer

18. Mineralien- und Edelsteinbörse lockt viele Sammler und Steinfreunde ins Schulzentrum Moormannskamp

Weser-Kurier vom- 06.03.2012 - 0 Kommentare

Glücksknollen und Sandrosen

Von Ilse Okken
Überall wurde gestöbert, bewundert, taxiert, probiert und gefachsimpelt: Die Mineralien-, Fossilien- und Edelsteinbörse im Schulzentrum Moormannskamp lockte einmal mehr viele Sammler nach Ritterhude.
 

Ritterhude. Bereits zum 18. Mal hatte Harald Timmer aus Stuhr die Schau organisiert, die Steine in allen Formen und Farben präsentiert. Diesmal waren 36 Aussteller dabei, darunter Sammler, Profis und Spezialisten aller Gattungen.

Neben uralten Fossilien, von denen das älteste 570 Millionen Jahre auf dem Buckel hatte, wurden Mineralien aus allen Gegenden der Welt und Schmuck in unzähligen Stilrichtungen angeboten. Von Achat und Amethyst bis Zirkon war alles zu haben. Viele Besucher pilgerten zum Moormannskamp, um die kleinen und großen Wunder der Natur zu bestaunen, einen Glücksbringer zu erstehen oder ein Schnäppchen zu machen. Penibel beschriftet präsentierten die Aussteller die bunten Schätze in Kisten und Kästchen auf Samt und Seide und rückten sie ins rechte Licht.

Schatzsuche im Sandbassin

Ob Laie oder Fachmann - die Schau bot für jeden etwas. Hier tauschte man sich über Fundorte und Präparationstechniken aus, dort probierte man Halsketten und Anhänger aus Zuchtperlen oder Edelsteinen an. Bei Alan Marsh aus Liverpool konnten die Kinder auf Schatzsuche gehen und aus einem Sandbassin Haifischzähne angeln. "Ich möchte damit bei den Kindern das Interesse für Fossilien wecken", sagte der langjährige Stammgast. Rebekka (7) aus Osterholz-Scharmbeck kaufte den zweiten Stein für ihre Sammlung, eine "Feenhöhle". "Sie mag alles, was glitzert", verriet die Mutter. Jona aus Hambergen (10) sammelt schon länger und hat in Ritterhude ein paar schöne Steine gefunden, die er stolz zeigte. Werner Augustin aus Grohn hat eine Vorliebe für ausgefallene Stücke und freute sich über seinen Fund, einen Bergkristall mit Phantomeinschluss.

Steinerne "Glücksknollen" mit Hohlräumen zum Verpacken von Geldgeschenken waren ebenso zu haben wie Erze aus dem Harz, versteinertes Holz aus Indonesien, Pyrit aus Antwerpen, Bergkristalle aus dem Osnabrücker Raum, Kimberlit aus Südafrika und Sandrosen aus Mexiko.

Auf Bernstein hat sich Maik Büttner spezialisiert. Neben baltischem Geschiebebernstein aus dem Raum Velten hatte er auch mexikanische Exemplare der leichtgewichtigen goldfarbenen Steine auf seinem Tisch ausgebreitet. Damit die Besucher sehen konnten, was darin eingeschlossen ist, hatte er die Steine angeschliffen (gefenstert). Schon seit 15 Jahren sind Yuwen Li und ihr Ehemann dabei. Das Paar aus Hannover-Garbsen hat hier viele Stammkunden und verkaufte Broschen mit Ornamenten, Ringe, Ketten und Armreifen, aber auch Buddhafiguren und Solitärsteine. "Der Fluorit ist mein Lieblingsstein", sagte die Chinesin.

Annika Kettenburg aus Visselhövede bot die gesamte Sammlung ihres Vaters zum Verkauf an. Eine gute Chance für Neulinge waren auch die Schätze aus Sammlungsauflösungen anderer Anbieter. "Ich habe hier einen großen Amoniten gefunden, der auf anderen Messen gar nicht mehr bezahlbar gewesen wäre", freute sich Initiator Harald Timmer. Es werde zunehmend schwieriger, die Schau zu organisieren, gestand er und verwies auf verschärfte Richtlinien für Werbung und Gastronomie.

Die Höhlenwelt unter Kleinenbremen

veröffentlicht um 10.08.2011, 01:03 von Rainer Meyer

Einfach mal raus: Das Besucher-Bergwerk bei Porta Westfalica / Warum es Zehntausende an einen ungemütlichen Ort 80 Meter unter der Erde zieht.

Weser-Kurier vom 10.8.2011

Die Höhlenwelt unter Kleinenbremen

Von Stefan Lyrath
Porta Westfalica. Kein Tageslicht, 95 Prozent Luftfeuchtigkeit, zehn Grad Celius - darin liegt die Faszination des Besucher-Bergwerks in Kleinenbremen, einem Ortsteil der Stadt Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke). Rund 20000 Menschen fahren jedes Jahr in die stillgelegte Erzgrube ein. Noch bis in die 1950er-Jahre haben dort Bergleute im Akkord gearbeitet.

Besucher legen die ersten Meter in einem Triebwagen aus dem Jahr 1937 zurück. Unter Tage wird es dann unbequem: Bis zu vier Menschen zwängen sich in die engen Abteile der Grubenbahn. "Falls wir Gliedmaßen abtrennen, können diese später am Eingang abgeholt werden", scherzt Karl Fortenbach, einer von zwölf Grubenführern. Rund 800 Meter weit donnert die Bahn durch die Dunkelheit in den Berg hinein, bevor es zu Fuß weitergeht. In 80 Metern Tiefe, einst eine Lagerstätte, ruht ein kristallklarer See aus Standwasser. Ein magischer Ort, umschwirrt von seltenen Fledermäusen und farbig beleuchtet, deshalb der Name "Blaue Lagune".

Einige Grubenführer waren früher Bergleute, andere arbeiten noch heute bei der Barbara Erzbergbau GmbH, die im benachbarten Nammen mit der Grube "Wohlverwahrt" das letzte deutsche Eisenerzbergwerk betreibt. Stolz präsentieren die Männer ihren Gästen eine geheimnisvolle Welt aus Stein und riesigen Hohlräumen. Sie kennen jedes Abbaufeld, werfen alte Bohrhämmer an oder erläutern die Funktion ausrangierter Fahrzeuge. Karl Fortenbach, früher Oberstleutnant der Bundeswehr, suchte als Pensionär eine neue Aufgabe und bewarb sich um den Job unter Tage. Seine "Kumpels" erzählten ihm alles, was ein Fremdenführer über Bergbau wissen sollte. Gern reichert er historische Fakten mit Humor an. Kleine Kostprobe: Jeden Freitag gab es einst die Lohntüte. "An dem Tag wurde der Bergmann von seiner Frau dreimal mit Herr angesprochen, wenn er nach der Arbeit nach Hause kam", erzählt Fortenbach: "Herein, mein Schatz! Her mit dem Geld! Herrgott, so wenig!"

Geöffnet ist das Besucher-Bergwerk von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen, jeweils zwischen 10 und 17 Uhr (letzte Einfahrt: 16 Uhr). Werktags sind Führungen nur nach telefonischer Anmeldung möglich (0 57 22 / 90 223). Übrigens: Im Dezember wird in den Stollen der einzige Weihnachtsmarkt unter Tage veranstaltet - und der einzige mit Helmpflicht.

Zum Besucher-Bergwerk, in Betrieb seit dem Jahr 1988, gehört das Museum für Bergbau und Erdgeschichte. Der neue Mitmach-Bereich spricht vor allem Kinder an. Wer Kurse belegt, darf sich in einer Schmiede am Rande des Steinbruchs versuchen oder in einer Bildhauerei auf dem Freigelände Kunstwerke aus Stein erschaffen.

Auf geführten Exkursionen in Steinbrüche sammeln Fans Fossilien, um diese in der museumseigenen Werkstatt später zu präparieren. Längst ist der jährliche Mineralien- und Fossilientag zum Anziehungspunkt für Sammler geworden.

Wer gut zu Fuß ist, kann außerdem von Hausberge durchs Wesergebirge nach Kleinenbremen wandern, das wären ungefähr sieben Kilometer (ein Weg).

Minister: Fossil-Beweis - Birma als "Ursprung der Welt"

veröffentlicht um 26.07.2011, 00:29 von Rainer Meyer

Rangun. Birma ist zumindest nach der Überzeugung seiner Regierung die Wiege der Menschheit - das hätten neue Laboranalysen von Fossilien bewiesen, sagt Kulturminister Kyaw Hsan.

"Nach Labortests und Analysen internationaler Organisationen ist der Konsens erreicht worden, dass die in Pontaung gefundenen Primatenfossilien rund 40 Millionen Jahre alt sind, und damit älter als die Primatenfossilien, die in Afrika entdeckt worden", schrieb das Staatsorgan "Neues Licht von Birma" am Montag.

Damit erkenne die Welt an, dass Birma "der Ursprung der Welt" sei, sagte der Minister nach Angaben der Zeitung. Details zu den neuen Untersuchungen oder Angaben zu den beteiligten ausländischen Organisationen machte das abgeschottete Regime nicht.

Bei den Fossilien handelt es sich um 1979 bei Pontaung westlich von Mandalay entdeckte Fragmente. Forscher debattieren seit Jahren, ob es sich dabei um Überreste der Urahnen von Affen und Menschen handeln könnte. Viele halten die Fragmente aber für zu klein, um definitive Angaben machen zu können.

Die derzeit weitgehend akzeptierte "Out-of-Africa"-Theorie besagt, dass sich der moderne Mensch in Afrika entwickelte und von dort aus über den Rest der Welt ausbreitete.

In Deutschland hatten Forscher 2009 das sensationelle Primaten-Fossil "Ida" vorgestellt, das in der Grube Messel bei Darmstadt gefunden worden war und auf 47 Millionen Jahre geschätzt wird. 2008 beschrieben amerikanische und indische Forscher in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" Fossilien aus einer Tagebaumine in Indien, die zu den Anthropoiden, der Primatenlinie, gehören und mehr als 50 Millionen Jahre alt sein sollen. (dpa)

Heiligenloh vor tausenden von Jahren

veröffentlicht um 17.06.2011, 02:32 von Rainer Meyer

Von Julia Soostmeyer
 
Twistringen-Heiligenloh. Auch Erwachsene buddeln gerne im Sand, vor allem, wenn sie dabei historische Funde zu Tage bringen, die aus der Zeit zwischen 300 und 500 Jahre vor Christus stammen. In Heiligenloh bei Twistringen sind jetzt während des Baus einer Erdgas-Pipeline Jahrtausende alte alte Siedlungen und Gräberstätten entdeckt worden. Unter Zeitdruck arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft an der Bergung der Fundstücke, die von Urnen bis zu Spielsteinen und Teilen von Bronzestatuen reichen.

Mit einer Breite von rund 30 Metern erstreckt sich quer über die Felder der Aushub für die Pipeline-Rohre. Durch diese Baggerarbeiten wurde der Blick auf den archäologischen Schatz offengelegt. Für einen Laien kaum vorstellbar, sieht der Experte sofort: Hier haben sich vor tausenden von Jahren Menschen angesiedelt. "Wir orientieren uns anhand der Bodenverfärbungen", erklärt Grabungsleiter Björn Buik, den der Fund nicht überrascht. Denn: "Aufgrund einiger anderer Funde in Heiligenloh konnte fast davon ausgegangen werden, dass auch hier etwas gefunden wird", so Friedrich-Wilhelm Wulf, Bezirksarchäologe in Hannover. Trotzdem seien alle zufällige Funde. Bereits im Zuge des Baus einer Pipeline 1994 wurden solche Bodenschätze entdeckt. "Damals wurden aber keine Untersuchungen angestellt", erinnert sich Wulf. Die gefundenen Siedlungen sollen aus der Zeit des dritten und vierten Jahrhunderts nach Christus stammen, die Gräber zwischen 300 und 500 Jahren vor Christus.

Überreste teils gut erhalten

Nun klaffen einige sorgfältig ausgehobene Löcher auf einer Länge von etwa 200 Metern im Boden. Am Ende werden es etwa 156 Ausgrabungen sein. Das Grabungsteam steht unter Zeitdruck, denn die Gasleitung soll bereits Ende 2012 fertig sein. Dem Team bleiben nur noch wenige Tage, um ihre Grabungen abzuschließen, dann muss es mit dem Bau weitergehen. "Wir sind mit rund 23 Leuten am Werk, eigentlich besteht so eine Mannschaft nur aus etwa acht Helfern", erläutert der Grabungsleiter und Archäologe Buik. Bereits zwei Drittel sind bisher abgearbeitet worden.

"Häufig werden Einzelfunde, wie Steinäxte und -beile gefunden", weiß Bezirksarchäologe Wulf aus Erfahrung. Beeindruckend für die Beteiligten in Heiligenloh ist der gute Zustand der Überreste. Neben der Zeitnot gibt es noch eine weitere Schwierigkeit für die Archäologen: "Die Relikte stammen aus einigen unterschiedlichen Zeiten. Es ist nicht einfach zu bestimmen, aus welcher Zeit was stammt", erklärt Björn Buik. Vor Ort werden die Funde gewaschen, dann werden sie in die Restaurierungswerkstatt des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege gebracht.

Zu den bisher spektakulärsten Relikten aus der germanischen Zeit zählen ein Spielstein, eine Gewandspange - sie wurde wie eine Sicherheitsnadel verwendet - sowie ein Hirschgeweih einer Bronzestatue und ein Webgewicht eines Webstuhls. "Das weist hier Textilherstellung nach", schließt Buik aus dem Relikt. Ein Metalldetektor erleichtert dem Team die Suche. Außerdem wurden zahlreiche Lang- und Kreisgräber, Hausgrundrisse und Leichenbrandlager entdeckt. An einem solchen Lager lässt sich viel ablesen, wie Grabungsleiter Buik an einem Beispiel erläutert. "Die Größe der Knochenüberreste zeigt, dass der Tote wahrscheinlich im Winter gestorben ist und auch bestattet wurde." Immer wieder finden die Grabungsteammitglieder ältere Gräber zwischen germanischen Grabstätten und Siedlungshäusern. "Die älteren Gräber dürften nochmal rund 1000 Jahre älter sein", schätzt Björn Buik.

Der Grundbesitzer Henning Duveneck war sehr erstaunt, als er von dem Fund hörte. Stellvertretend schaute sich seine Tochter, Lena Duveneck, an der archäologischen Grabungsstätte um. "Damit hätte ich nie gerechnet. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas zu sehen bekomme", sagt sie beeindruckt. Auch Bürgermeister Karl Meyer zeigte sich während einer Besichtigung überrascht, es sei schließlich nichts Alltägliches. Ihm kam sofort in den Sinn, Fundstücke im Twistringer Strohmuseum ausstellen zu können. "Da haben wir schließlich schon eine Fossiliensammlung", so sein Argument.

Die Kosten der Ausgrabungen tragen übrigens die Investoren der Pipeline - die Unternehmen Wingas und Eon-Ruhrgas. Sie belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Jedoch nicht alleine für Heiligenloh. Mit dem Bau der Gasleitung wurde ein umfangreiches Archäologieprojekt ins Leben gerufen. Allein in Niedersachsen wird die Leitung am Ende rund 200 Kilometer lang sein. Das Ausgrabungsprojekt wird vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege geleitet.

Grabungsleiterin Ulrike Petersen berichtete

veröffentlicht um 31.03.2011, 10:05 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 31.03.2011, 12:31 ]

Grabungsleiterin Ulrike Petersen berichtete über die Ausgrabungen in der Wüstung Körlingen

Funde lassen auf planmäßigen Weggang schließen
   .    Von Constanze Arendt

  Schwaneberg. Der Name der Gaststätte an der Bundesstraße 81 erinnert noch heute an die Siedlung "Körlingen", die hier in unmittelbarer Nähe einst bestanden hat. Grabungen, die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt vom Sommer 2009 bis Sommer 2010 durchgeführt haben, belegten die Existenz der Siedlung. Viele Fundstücke wurden gefunden, wie Grabungsleiterin Ulrike Petersen auch jüngst während eines Vortragsabends in Schwaneberg einem großen interessierten Publikum berichten konnte.

Im Jahre 946 sei der Name Körlingen, wie Ulrike Petersen sagte, erstmals in einer Schenkungsurkunde Otto I. aufgetaucht. 1521 sei der Ort aber in schriftlichen Quellen bereits als "villa desolata" bezeichnet, was so viel bedeutet wie nicht mehr besetzt. Der Flurname habe sich aber bis heute in der Gemarkung Altenweddingen erhalten. So seien die Namen "Körlinger Kirchhöfe" und "Feld im Körling" überliefert.


Die Grabungsarbeiten haben eine Fläche von 500 Metern Länge mal 30 Meter Breite direkt an der Bundesstraße 81 in Anspruch genommen. Ein weiteres kleineres Grabungsfeld befand sich im Bereich des heutigen Regenrückhaltebeckens. "Insgesamt haben wir 2 500 Funde dokumentiert und 9 000 Fotos in die Datenbank eingefügt", sagte Ulrike Petersen, die von über 12 000 Einzelfunden sprach.

So konnte sie beispielsweise auch von 136 Grubenhäusern, drei Brunnen und zahlreichen Gräben berichten, deren Funde den Archäologen ermöglichen, genauere Schlüsse über das Leben in Körlingen zu ziehen. Beispielsweise war der Ort nach Norden hin von einem Grabensystem begrenzt, das wohl auch Schutz gegen Magdeburg bieten sollte. "Die 136 Grubenhäuser sind eine große Menge, kaum eine slawische Siedlung war so eng bebaut", erklärte die Grabungsleiterin, die mit ihren Kollegen neben den Grubenhäusern auch andere Gruben fand, die als Abfall- oder Vorratsgruben genutzt worden sind. Die Grubenhäuser waren in die Oberfläche eingetieft und in Holzbauweise errichtet worden. Einige Pfosten konnten die Archäologen ebenso wie die Reste von einigen Steinkellern bei ihren Grabungen in der Wüstung Körlingen sogar noch nachweisen.

Großes Interesse der Archäologen galt aber auch dem Nachweis, dass hier schon qualifiziertes Handwerk verrichtet wurde – von Töpfern, Knochenhauern, Textilarbeitern und Metallgießern. So wurden Scherben von slawischer Keramik aus dem neunten und zehnten Jahrhundert gefunden, Schlittknochen, Spielsteine, ein Knochenkamm, ein Bronzetiegel, diverse Kleinfunde aus Metall, ein Gniedelstein aus Glas, Spinnwirtel und einiges mehr.

An der zweiten Grabungsstelle am Regenrückhaltebecken lag das Hauptaugenmerk auf den Brunnen, von denen hier 18 Stück in unterschiedlicher Bauweise entdeckt worden sind. "Die Brunnen sind für die Archäologen wichtig, denn es ist ein geschlossenes System. Was aufgeben wird, kommt dort hinein und wird so konserviert", erklärte die Grabungsleiterin. So werden neben Gefäßen oft auch Pollen oder Getreidereste gefunden. "Das ermöglicht uns Erkenntnisse, was dort angebaut wurde, aber soweit sind wir bei Körlingen noch nicht", so Ulrike Petersen.

Auf jeden Fall aber würden die Funde darauf hindeuten, dass die Körlinger ihr Zuhause planmäßig verlassen haben. "Alles, was ihnen lieb und teuer war, haben sie mitgenommen", fügte die Grabungsleiterin hinzu, die vermutete, dass der Weg sie in Richtung Magdeburg führte.

Als Dankeschön für den aufschlussreichen Vortrag über die Vergangenheit der näheren Umgebung wurde Ulrike Petersen nicht nur mit Applaus belohnt. Schwanebergs Ortsbürgermeister Axel Spengler überreichte ihr im Namen der Ortschaft Schwaneberg und des Heimatvereins einen Beutel mit
Köstlichkeiten aus der Region.

Fossilienfunde aus der Urzeit

veröffentlicht um 28.03.2011, 09:41 von Rainer Meyer

Weser Kurier vom 23.9.2008

ACHIM. "Für alle war es ein unvergesslicher Tag", kommentiert Rainer Ditzfeld, Sprecher der Achimer Grundschulfördervereine, die Ferienspaßaktion in der Kalkgrube in Höver südlich von Hannover.

Bei schönstem Sommerwetter buddelten 40 Achimer Grundschulkinder und 10 Eltern in der über 100 Meter tiefen Grube nach versteinerten Überresten aus der Urzeit. Mit Hammer und Meißel bewaffnet fanden die jungen Schüler außergewöhnliche Fundstücke, die sie kurz zuvor noch in einer Museumsausstellung vor Ort bewundert hatten. Seeigel, Donnerkeile und Schwämme waren tolle Mitbringsel der Kinder. Es ist heute nur noch schwer vorstellbar, dass die Region um Hannover vor 80 Millionen Jahren von Muscheln und Haifischen bevölkert war. Obwohl der Boden im Laufe der Jahrmillionen immer trockener wurde, sind die Spuren der Meeresbewohner geblieben.

Nach drei Stunden "Schwerstarbeit" im Steinbruch wartete ein leckeres Buffet auf die jungen Fossilien-Sammler, das die mitgereisten Eltern organisiert hatten. Am späten Nachmittag kamen die Kinder erschöpft und zufrieden von einer spannenden und informativen Tour zurück. Die sechs Achimer Grundschulfördervereine und "Fossilien-Experte" Hans Fröhlich wollen auch im nächsten Jahr wieder eine Fahrt in die Kalkgrube anbieten.

Schöne Fossilien gesammelt

veröffentlicht um 16.09.2010, 05:03 von Rainer Meyer

Weser-Kurier vom 14.8.2008

HORN-LEHE (FR). Bereits um 8 Uhr in der Früh trafen sich 25 Kinder an der Uni Bremen, um im Steinbruch von Höver auf Fossiliensuche zu gehen. Im Rahmen des BremerSommerferienprogramms des Kreissportbundes Bremen-Stadt hatte der Fachbereich 5 der Universität Bremen (Geowissenschaftliche Sammlung) dieses Seminar für Kinder ab acht Jahren angeboten.

Bereits in der Ausschreibung stand, dass geländetaugliche Kleidung entsprechend der Wetterlage mitzubringen ist. Rucksack, Kleidung zum Umziehen, festes Schuhwerk oder Gummistiefel, Verpflegung, Eimer und wer hat, Helm und Hammer sollten mit dabei sein. So ausgestattet starteten die Busreisenden in Richtung Hannover zum Steinbruch von Höver. Leider hatte der Wettergott nicht den Sonnenschein eingeplant. Pünktlich mit der Ankunft in der Kalkgrube setzte ein Schauer ein. Also Regensachen angezogen und rein in den Steinbruch.

Nach zwei Stunden hämmern, klopfen und suchen unter fachlicher Anleitung der Uni-Mitarbeiter wurden die Fundstücke begutachtet. Die entdeckten Fossilien sind ungefähr 70 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit existierte Deutschland noch nicht, sondern hier war ein riesiges Meer. Aus dem Meer schauten nur einige Inseln heraus, unter anderem dort, wo heute das Sauerland, das Siegerland und die Eifel liegen, erfuhren die Teilnehmer von den Experten. Inzwischen ist der Steinbruch von Höver seit über 100 Jahren in Betrieb. Und so konnte man in den unteren Schichten versteinerte Seeigel, Tintenfische, Muscheln, Schnecken und Zähne von Haifischen finden. Mit der Beute im Gepäck, total verschmierten Regensachen und nassen Füßen fuhren alle Kinder und Betreuer wieder nach Bremen.

Eine Woche später trafen sich die Fossiliensammler dann in der Uni, um die Fundstücke zu präparieren und zu bestimmen. Und nach reichlich putzen, bürsten und hämmern kamen die Muschel, Ammoniten, Schwämme und Seeigel zum Vorschein. Der zehnjährige Philipp berichtete bei dem Treffen, dass er gleich samt Rucksack und Klamotten unter die Dusche gestiegen sei.

Weitere Informationen zum Fossiliensammeln erteilt die Geowissenschaftliche Sammlung unter Telefon 2 18 25 20 oder im Internet unter www.geosammlung.uni-bremen.de. Bilder sind auf der Seite des KSB unter www.ksb-bremen-stadt.de zu sehen.

Vom Käfer bis zur Urechse

veröffentlicht um 16.09.2010, 04:54 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 16.09.2010, 05:03 ]

Weser-Kurier vom 23.3.2009

Frankfurt/Main (dpa). Vom metallisch schimmernden Prachtkäfer über die Urechse bis zum kletternden Urhufer: Das Forschungsinstitut Senckenberg hat sensationell gut erhaltene Neufunde aus der südhessischen Grube Messel vorgestellt. Der ehemalige Kratersee gilt als weltweit einzigartige Fossilienstätte. Die dort entdeckten Skelette aus dem Eozän - der Zeit vor 57 bis 36 Millionen Jahren - sind oft vollständig erhalten. Unter den Neufunden ragt bei den Insekten nach Angaben der Forscher der etwa 15 Millimeter große Prachtkäfer (Psiloptera) hervor, der auch nach 47 Millionen Jahren seine bunte Färbung behalten hat. Vertreter dieser Art kommen heute nur noch in den Tropen vor. Auch eine Weber-Ameise, die während ihres Hochzeitsflugs in den ehemaligen Messelsee gestürzt und ertrunken ist, zählt zu den Funden.

Die Weber-Ameise baut ihr Nest aus lebenden Blättern. Unter den Reptilien konnte eine etwa 50 Zentimeter große Krustenechse identifiziert werden, deren heutige Verwandte (Helodermatiden) in den USA wegen ihrer Giftigkeit als "Bullbeißer der Echsenwelt" gelten. Auch die in Messel gefundene Echse zeige schon typische Giftrinnen an den Zähnen, sagte der amerikanische Reptilienexperte Krister Smith. Besonders stolz sind die Forscher auf den kletternden Urhufer (Kopidodon macrognatus). Das knapp ein Meter lange Tier hatte einen langen buschigen Schwanz und ernährte sich von Pflanzen und Früchten.

Weitere Erkenntnisse über das Tier werden vom gut erhaltenen Mageninhalt des Neufundes erwartet. Auch ein hervorragend erhaltenes Exemplar eines der ältesten Nager der Erdgeschichte (Masillamys) gehört zu den jüngst geborgenen Fossilien. Außerdem wurde erneut ein archaisches Säugetier (Leptictidium auderiense) gefunden, das durch eine 2001 ausgestrahlte BBC-Dokumentation über Messel weltberühmt geworden war. Der Vierbeiner bewegte sich - ähnlich wie ein Känguru - nur auf zwei Beinen fort. Die jetzt vorgestellten Fossilien sind in den vergangenen beiden Jahren ausgegraben worden.

Die Grube - rund 20 Kilometer südöstlich von Frankfurt bei Darmstadt gelegen - entstand vor 50 Millionen Jahren durch einen Vulkanausbruch. Damals lag Messel im Regenwald mit einem ganzjährig feucht-warmen Klima. Seit 1974 wird in Messel gegraben. Die bekannteste von mehreren hundert dort entdeckten Tier- und Pflanzenarten ist das etwa 30 Zentimeter große Urpferdchen, das als Vorfahr des Pferdes gilt.

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