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Die Höhlenwelt unter Kleinenbremen

veröffentlicht um 10.08.2011, 01:03 von Rainer Meyer

Einfach mal raus: Das Besucher-Bergwerk bei Porta Westfalica / Warum es Zehntausende an einen ungemütlichen Ort 80 Meter unter der Erde zieht.

Weser-Kurier vom 10.8.2011

Die Höhlenwelt unter Kleinenbremen

Von Stefan Lyrath
Porta Westfalica. Kein Tageslicht, 95 Prozent Luftfeuchtigkeit, zehn Grad Celius - darin liegt die Faszination des Besucher-Bergwerks in Kleinenbremen, einem Ortsteil der Stadt Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke). Rund 20000 Menschen fahren jedes Jahr in die stillgelegte Erzgrube ein. Noch bis in die 1950er-Jahre haben dort Bergleute im Akkord gearbeitet.

Besucher legen die ersten Meter in einem Triebwagen aus dem Jahr 1937 zurück. Unter Tage wird es dann unbequem: Bis zu vier Menschen zwängen sich in die engen Abteile der Grubenbahn. "Falls wir Gliedmaßen abtrennen, können diese später am Eingang abgeholt werden", scherzt Karl Fortenbach, einer von zwölf Grubenführern. Rund 800 Meter weit donnert die Bahn durch die Dunkelheit in den Berg hinein, bevor es zu Fuß weitergeht. In 80 Metern Tiefe, einst eine Lagerstätte, ruht ein kristallklarer See aus Standwasser. Ein magischer Ort, umschwirrt von seltenen Fledermäusen und farbig beleuchtet, deshalb der Name "Blaue Lagune".

Einige Grubenführer waren früher Bergleute, andere arbeiten noch heute bei der Barbara Erzbergbau GmbH, die im benachbarten Nammen mit der Grube "Wohlverwahrt" das letzte deutsche Eisenerzbergwerk betreibt. Stolz präsentieren die Männer ihren Gästen eine geheimnisvolle Welt aus Stein und riesigen Hohlräumen. Sie kennen jedes Abbaufeld, werfen alte Bohrhämmer an oder erläutern die Funktion ausrangierter Fahrzeuge. Karl Fortenbach, früher Oberstleutnant der Bundeswehr, suchte als Pensionär eine neue Aufgabe und bewarb sich um den Job unter Tage. Seine "Kumpels" erzählten ihm alles, was ein Fremdenführer über Bergbau wissen sollte. Gern reichert er historische Fakten mit Humor an. Kleine Kostprobe: Jeden Freitag gab es einst die Lohntüte. "An dem Tag wurde der Bergmann von seiner Frau dreimal mit Herr angesprochen, wenn er nach der Arbeit nach Hause kam", erzählt Fortenbach: "Herein, mein Schatz! Her mit dem Geld! Herrgott, so wenig!"

Geöffnet ist das Besucher-Bergwerk von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen, jeweils zwischen 10 und 17 Uhr (letzte Einfahrt: 16 Uhr). Werktags sind Führungen nur nach telefonischer Anmeldung möglich (0 57 22 / 90 223). Übrigens: Im Dezember wird in den Stollen der einzige Weihnachtsmarkt unter Tage veranstaltet - und der einzige mit Helmpflicht.

Zum Besucher-Bergwerk, in Betrieb seit dem Jahr 1988, gehört das Museum für Bergbau und Erdgeschichte. Der neue Mitmach-Bereich spricht vor allem Kinder an. Wer Kurse belegt, darf sich in einer Schmiede am Rande des Steinbruchs versuchen oder in einer Bildhauerei auf dem Freigelände Kunstwerke aus Stein erschaffen.

Auf geführten Exkursionen in Steinbrüche sammeln Fans Fossilien, um diese in der museumseigenen Werkstatt später zu präparieren. Längst ist der jährliche Mineralien- und Fossilientag zum Anziehungspunkt für Sammler geworden.

Wer gut zu Fuß ist, kann außerdem von Hausberge durchs Wesergebirge nach Kleinenbremen wandern, das wären ungefähr sieben Kilometer (ein Weg).

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