Exkursions News‎ > ‎

Norddeutschland vor 120 Millionen Jahren

veröffentlicht um 24.08.2012, 00:14 von Rainer Meyer
Jens Lehmann von der Uni Bremen sprach bei „Wissen um elf“ über frühe Zeugen eines Klimawandels-
Weser-Kurier vom 23.08.2012

Norddeutschland vor 120 Millionen Jahren

Von Christiane Tietjen

Altstadt. Jens Lehmann, der Leiter der Geowissenschaftlichen Sammlung der Universität Bremen, hat in der Reihe "Wissen um 11" darüber gesprochen, was ein weltweiter Meeresspiegelanstieg und eine Sauerstoffkrise bewirken. Der Untertitel seines Vortrages: "Norddeutschland und seine Lebewesen vor 120 Millionen Jahren".

Die Uni Bremen hat eine sehr wertvolle Gesteins- und Fossilien-Sammlung – mehr als 220000 Stück werden dort verwahrt. Viele davon sind vor über 100 Jahren gesammelt worden und damit auch ein Stück Bremer Kulturgut. "Zur Zeit versprechen die umfangreichen Grabungen Bremer Wissenschaftler an der Deutsch-Niederländischen Grenze in den Jahren 2009 bis 2012 einen ebenso wichtigen Schatz zu sichern", sagte Jens Lehmann, "denn dort waren die entsprechenden Gesteinsschichten zum letzten Mal in den 1960er-Jahren über Tage zugänglich." Wo bis vor kurzem der Bagger im Ton gegraben habe, grasten bald wieder Kühe – und umso wichtiger sei es, diese Gesteinsabfolge zu dokumentieren. Sie sei ein Beleg "eines subtropischen Meeres vor gut 120 Millionen Jahren in dieser Region". Das heutige Gestein sei damals Sediment am Grunde eines Meeresarmes, der Alstätter Bucht, gewesen, in einer Zeit, die weit vor den ersten Menschen und selbst vor dem Aussterben der Dinosaurier liegt.

In dem Forschungsprojekt stehen neben Untersuchungen am Gestein selbst, einschließlich geochemischer Untersuchungen, die mikroskopisch kleinen Organismen wie auch Makrofossilien im Fokus. Veränderungen in der Umwelt seien auch zu jener Zeit sehr drastisch gewesen, was Klimawandel, Meeresspiegelanstieg und Sauerstoffarmut im Meer betreffe, sagte Jens Lehmann. Dies sei ein Grund dafür, bei den heutigen Zukunftsprognosen etwas genauer in die erdgeschichtliche Vergangenheit zu schauen. Die vorgestellten Ergebnisse basieren auf einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt.

Comments