Fossilien News

Forscher entdecken uralte Fischfossilien in Kenia

veröffentlicht um 15.03.2013, 03:23 von Rainer Meyer

 

München/Nairobi (dpa) - Ungewöhnlich viele gut erhaltene Fischfossilien haben Münchner Forscher in Kenia entdeckt. Im Rift Valley, rund 300 Kilometer nordwestlich von Nairobi, stießen die Paläontologen der Ludwig-Maximilians-Universität im Januar und Februar auf fast 170 Versteinerungen.  

Forscher entdecken uralte Fischfossilien in Kenia
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Kleine Fische, große Erkenntnisse: Forscher haben in Kenia uralte Fischfossilien entdeckt. Foto: Bettina Reichenbacher/LMU

«Es ist sehr selten, dass so viele Fisch-Fossilien auf einmal entdeckt werden und diese dann auch noch so gut erhalten sind», berichtet Professorin Bettina Reichenbacher. Die Fossilien aus acht Fundstellen seien zwischen zehn und zwölf Millionen Jahre alt. Sie werden nun mit Genehmigung der kenianischen Behörden in München untersucht.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Fische durch den Einfluss von Vulkanismus gestorben sind. «Viele Fisch-Fossilien haben ein geöffnetes Maul, was dafür sprechen könnte, dass sie erstickt sind», ergänzte Reichenbacher. Womöglich seien die Fische unter Vulkanasche begraben worden. Das könne auch der Grund dafür sein, dass sie noch so gut erhalten sind.

Das Rift Valley in Kenia gilt als Wiege der Menschheit seit Anthropologen dort die Überreste menschlicher Urahnen gefunden haben. Einheimische haben die Forscher auf die Fisch-Fossilien aufmerksam gemacht und ihnen bei der Orientierung in dem unwegsamen Gelände in der Gebirgskette Tugen Hills geholfen. «Das ist der Schlüssel unseres Erfolges», sagte Reichenbacher.

Der kleinste Fisch, dessen Überreste gefunden wurden, ist in etwa fünf Zentimeter lang, der größte misst rund 30 Zentimeter. Die Wissenschaftler erwarten, dass unter den Fossilien mehrere neue Arten sind. Im heutigen Afrika gebe es rund 3000 Arten von Süßwasserfischen, erläuterte Reichenbacher. Als Fossilien seien aber bislang weniger als 60 Arten entdeckt worden. «Die Auswertung wird uns Informationen über die Evolution der Fischfauna nicht nur in Kenia, sondern in ganz Afrika geben», ergänzte die Wissenschaftlerin.

Fossilienfunde sind wichtig, um die Evolutionsgeschichte zu verstehen. Paläontologen können aus ihnen Rückschlüsse auf die damalige Umwelt und das damalige Klima ziehen - in Kenia zum Beispiel, wann das Grasland entstanden ist. Für Reichenbacher ist das von großer Bedeutung. Denn die Entstehung von Grasländern prägte die Entwicklung der sogenannten Hominiden, Vorläufer des heutigen Menschen. Bislang gebe es widersprüchliche Berichte darüber, wann das Grasland entstanden sei, sagte Reichenbacher.

Studie: Asteroid vernichtete fast alle Reptilienarten

veröffentlicht um 10.12.2012, 23:58 von Rainer Meyer

Paläontologie / Weser-Kurier vom - 11.12.2012

Studie: Asteroid vernichtete fast alle Reptilienarten

Washington (dpa) - Der Asteroiden-Einschlag vor rund 65 Millionen Jahren war nach einer US-Studie viel gravierender als bislang gedacht. Er soll nicht nur die Dinosaurier, sondern auch die meisten Echsen- und Schlangenarten in Nordamerika vernichtet haben.

Das berichten Forscher in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften. Nach der gängigen Theorie beförderte der riesige Asteroid, der am Ende der Kreidezeit auf der mexikanischen Yucatán-Halbinsel niederging, durch seinen Einschlag so viel Staub in die Atmosphäre, dass über Jahre kaum Sonnenlicht zur Erde drang. Die Folge war ein Massensterben.

«Bisher hatte man geglaubt, dass dieses Ereignis vor allem die Dinosaurier betraf», erläuterte Nicholas Longrich von der Yale Universität in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut).

Verschiedene Schlangengruppen, Geckos, Skinke oder Schleichen hatten sich in der Kreidezeit gerade herausgebildet und in viele Arten aufgespalten. Der Paläontologe analysierte Fossilien aus Nordamerika und fand heraus: Auch diese Tiere hatten starke Verluste erlitten - 83 Prozent aller Reptilienarten verschwanden schlagartig.

«Schlangen und Echsen wurden extrem hart getroffen», schreibt der Forscher. Eine Chance zum Überleben hatten bei den Reptilien dem Bericht zufolge nur kleine, aber weit verbreitete Spezies.

Einige Dinos trugen Federn nicht zum Fliegen

veröffentlicht um 27.10.2012, 03:28 von Rainer Meyer

Einige Dinos trugen Federn nicht zum Fliegen

Washington (dpa) - Straußenähnliche Dinosaurier nutzten ihre Federn möglicherweise nicht zum Fliegen, sondern für die Paarung. Eine Untersuchung von Fossilien legt

 
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Dieser Vogelnachahmer-Dinosaurier nutzte seine Federn möglicherweise zunächst nicht zum Fliegen, sondern für die Paarung. Foto: Royal Tyrell Museum
 
Sie könnten dann mit Eintritt der Geschlechtsreife für die Balz wichtig gewesen sein oder im Zusammenhang mit dem Brüten, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin «Science».

In ihrer Studie hatten die Forscher um Darla Zelenitsky von der kanadischen Universität Calgary drei Fossilien des Dinosauriers Ornithomimus edmontonicus untersucht. Diese gehören zu den sogenannten Vogelnachahmer-Dinosauriern und erinnern oberflächlich betrachtet an einen Strauß. Dennoch gehören sie nicht zu den Dinosauriern, aus denen später die Vögel hervorgingen.

Ornithomimus-Dinosaurier lebten in der Kreidezeit. Die drei untersuchten Vertreter wurden in Kanada gefunden, in einer etwa 75 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht. Den Forschern zufolge ist es der bisher einzige Fund von gefiederten Dinosauriern in der westlichen Hemisphäre.

Einer der Dinosaurier war als Jungtier gestorben, etwa im Alter von einem Jahr. Bei ihm fanden die Forscher nur Spuren von daunenartigen Federn. Solche Federn bedeckten auch die Körper der beiden ausgewachsenen Tiere. Bei einem der Dinosaurier fanden die Forscher am Unterarm zudem Hinweise auf stabilere Federn mit einem Schaft. Bei dem anderen Fossil fehlten die vorderen Gliedmaßen.

Jungtiere trugen also nicht das gleiche Federkleid wie die ausgewachsenen Tiere, folgern die Wissenschaftler. Vermutlich spielten die später auftretenden, flügelartigen Strukturen eine Rolle bei der Paarung, etwa bei der Balz oder der Brutpflege. Zum Fliegen dienten die Federn wohl erst anderen Dinosauriern, den Maniraptoren, aus denen unter anderem auch die Vögel hervorgingen, heißt es.

Den Forschern zufolge handelt es sich bei den Dino-Exemplaren um die einzigen bisher gefundenen gefiederten Ornithomimiden - obwohl unzählige Fossilien dieser Sauriergruppe bekannt seien. Dinosaurier mit Federn wurden bisher fast ausschließlich in China entdeckt. Das liege aber womöglich vor allem daran, dass an anderen Fundstätten nicht nach Federn gesucht worden sei, schreiben die Forscher.

«Bisher ist man davon ausgegangen, dass gefiederte Dinosaurier nur in den schlammigen Sedimenten ruhiger Seen oder Lagunen versteinern können», erläutert der ebenfalls an der Studie beteiligte Forscher François Therrien vom Royal Tyrrell Museum of Palaeontology (Kanada). Die Entdeckung der Ornithomimiden in Sandstein zeige, dass Federn auch in anderen Gesteinen erhalten blieben. Da viele Saurier-Fossilen aus Sandstein stammten, würden künftig weltweit womöglich noch viel mehr gefiederte Dinos entdeckt.

Als Europa tropisch warm war

veröffentlicht um 14.08.2012, 00:55 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 14.08.2012, 01:01 ]

Als Europa tropisch warm war


Die Erde ist ein Planet im ständigen Wandel: Landmassen verändern ihre Lage; Tier- und Pflanzenarten sterben aus oder entstehen neu. Lebensräume, die an die Regenwälder der Tropen erinnern, gab es einst auch in Mitteleuropa. Bei der Rekonstruktion der Verhältnisse vor vielen Millionen Jahren helfen Forschern Fossilien aus der Grube Messel bei Darmstadt.

Aus dem Weser-Kurier vom 14.8.2012,  VON JÜRGEN WENDLER

Messel. Die Grube Messel, ein stillgelegter Tagebau, ist 1995 von der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation, zum Weltnaturerbe erklärt worden. Vor etwa 47 Millionen Jahren befand sich dort ein sogenanntes Maar, ein etwa 300 Meter tiefer Kratersee, dessen Entstehung auf vulkanische Aktivitäten zurückging. Dass viele der dort entdeckten Überreste von Lebewesen besonders gut erhalten sind, hängt damit zusammen, dass das Wasser am Boden des Sees sauerstofffrei war. Unter diesen Bedingungen waren Bakterien nicht in der Lage, die Fette von Leichen vollständig aufzulösen. Aus freigesetzten Fettsäuren bildete sich Leichenwachs. Dieses verhinderte, dass die Kadaver zerfielen, ehe sie vollständig in den Seeboden eingebettet waren.
Wie Volker Wilde vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main erklärt, war der Kratersee vermutlich von einem tropischen Regenwald umgeben. Bei dieser Aussage stützt sich der Forscher auf Untersuchungen von Früchten und Samen aus der Grube Messel, deren Ergebnisse er und weitere Experten des Senckenberg Forschungsinstituts, der Universität London und des Florida Museum of Natural History in einer umfangreichen wissenschaftlichen Veröffentlichung zusammengefasst haben. Demnach konnten sie 140 verschiedene Pflanzengattungen nachweisen, von denen 65 bislang unbekannt waren. „Wir haben sehr viele Überreste von Blütenpflanzen und einige Nadelhölzer gefunden“, sagt Wilde. Dass in dem Gebiet vor rund 47 Millionen Jahren eine Dschungelatmosphäre herrschte, belegt nach seinen Worten nicht zuletzt der hohe Anteil an Lianen. Lianen sind Kletterpflanzen, die in tropischen Regenwäldern besonders häufig anzutreffen sind.
Samen mit Flügeln
Schon damals gab es nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler viele unterschiedliche Strategien, mit denen die Pflanzen ihre Verbreitung sicherten. So hätten sich an manchen Samen Flügel befunden. Dadurch hätten die Samen leicht vom Wind davongetragen werden können, erklären die Experten. Auch explodierende Kapseln, die Samen im Umfeld verstreut hätten, habe es gegeben.
Dass Früchte und Samen Wirbeltieren als Nahrung dienten, belegen nach den Worten von Wilde Untersuchungen des Darminhalts. „Angebohrte Samen zeigen außerdem, dass sich auch die aus Messel bekannten Rüsselkäfer von bestimmten Pflanzen ernährten.“
Zu den Funden aus der Grube Messel, die weltweit besonders viel Aufsehen erregt haben, gehört neben Urpferdchen, die nur etwa einen halben Meter groß waren, auch ein unter der Bezeichnung „Ida“ bekannt gewordenes Fossil. Der wissenschaftliche Name von „Ida“ lautet Darwinius masillae. Bei dem Tier handelt es sich um einen ausgestorbenen Primaten, von dem Wissenschaftler annehmen, dass er auf Bäumen lebte. Zu den Primaten werden neben Menschen und Affen zum Beispiel auch die auf Madagaskar beheimateten Lemuren gerechnet.
Die Fossilien aus der Grube Messel helfen Forschern nicht nur bei der Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte des Lebens, sondern auch bei der Untersuchung des Klimawandels früherer Zeiten. Als die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ausstarben, herrschte auf der Erde ein warmes Klima, das auch in der Folgezeit zunächst erhalten blieb. So betonen Wissenschaftler, dass es vor etwa 55 Millionen Jahren selbst in hohen Lagen sehr warm gewesen sei. Sogar in Nordsibirien seien Palmen gewachsen, und in Europa hätten Wintertemperaturen um die 20 Grad Celsius geherrscht. Die Antarktis, so heißt es, sei mit Sicherheit eisfrei gewesen und habe damals erst begonnen, sich von Australien zu lösen, mit dem sie lange einen Kontinent gebildet habe. Erst vor etwa 45 Millionen Jahren habe eine deutliche Abkühlung eingesetzt – zunächst in den Polarregionen. Die Vereisung der Antarktis begann zwar nach Expertenangaben bereits vor mehr als 33 Millionen Jahren, war aber erst vor wenigen Millionen Jahren abgeschlossen. Noch vor acht Millionen Jahren habe zum Beispiel das Klima im Gebiet des antarktischen Ross-Schelfeises dem geglichen, das heute in Feuerland herrsche, betonen Wissenschaftler.

Ältestes vollständig erhaltenes Insekten-Fossil entdeckt

veröffentlicht um 01.08.2012, 23:41 von Rainer Meyer

 Weser-Kurier vom 01.08.2012

Ältestes vollständig erhaltenes Insekten-Fossil entdeckt

Paris/Brüssel (dpa) - Ein 370 Millionen Jahre altes Fossil verzückt Insektenkundler gleich doppelt: Zum einen ist das Tier aus dem späten Devon das älteste vollständig erhaltene Insekten-Fossil, das bislang gefunden wurde. Zum anderen verkleinert es eine Lücke in der Ahnenreihe der Insekten-Fossilien.

 
 
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Rekonstruktion von Strudiella devonica: Der Fund des 370 Millionen Jahre alten Fossils verkleinert eine Lücke in der Ahnenreihe der Insekten-Fossilien. Foto: Nel et al.
Dieses außergewöhnliche Fossil stellen französische und belgische Forscher in der Fachzeitschrift «Nature» vor.

Das Insekten-Fossil wurde im Namur-Dinant-Becken im Südosten Belgiens gefunden. Es sei 8 Millimeter lang und 1,7 Millimeter breit, schreibt Romain Garrouste vom Nationalen Naturkundemuseum in Paris mit seinen Kollegen. Das Tier habe dreieckige Mundwerkzeuge, gegliederte Antennen, sechs Beine am Brustkorb sowie einen Hinterleib aus zehn Segmenten. Insekten sind die einzigen Gliederfüßer, die all diese anatomischen Merkmale besitzen. Deswegen gehen die Forscher davon aus, dass das Fossil tatsächlich ein Insekt ist. Es bekam den Artnamen Strudiella devonica.

Das Insekt verkürzt eine Lücke in der Reihe der Insekten-Fossilien, und zwar von 60 auf 45 Millionen Jahre. Die bisherige Lücke in der Zeit von vor 385 bis vor 325 Millionen Jahren trennt die älteren flügellosen Insekten von den modernen Arten mit Flügeln. Deswegen ließ sich bislang schwer erklären, wie die Insekten sich in so viele Arten aufteilten, dass sie heute die artenreichste Klasse im Tierreich sind. Die Körperstrukturen der neuen Art ähneln nach Angaben der Forscher denen einer Insektengruppe mit Flügeln. Sie schreiben jedoch: «Leider waren bei dem hiesigen Exemplar keine Flügel zu erkennen.» Weil Flügel fehlen und weil das Tier so winzig ist, vermuten die Wissenschaftler, dass es sich um eine Nymphe, also ein Jungtier, handelt.

Das älteste Insekten-Fossil ist Rhyniognatha hirsti aus dem Unterdevon vor 407 Millionen Jahren. Es ist jedoch nicht komplett erhalten. Die ältesten Insekten, die definitiv bereits Flügel hatten, sollen vor rund 325 Millionen Jahren gelebt haben

Messel-Forscher finden Pflanzenvielfalt

veröffentlicht um 28.07.2012, 00:26 von Rainer Meyer

Wissenschaft

Weser-Kurier - 27.07.2012 - 0 Kommentare

Messel-Forscher finden Pflanzenvielfalt

Frankfurt/Messel. Vor 50 Millionen Jahren war Südhessen ein artenreicher tropischer Regenwald rund um einen See. Heute gilt die Fossiliengrube Messel als eine der weltweit bedeutendsten Fundstätten für die damalige Tier- und Pflanzenwelt.
 
 
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Das undatierte Handout der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zeigt eine unbekannte und noch unbeschriebene Blüte aus der Grube Messel. Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
 

Mit 203 Pflanzenarten sei Messel eine der artenreichsten Fundstellen aus dieser Zeit, sagte Volker Wilde vom Senckenberg-Forschungsinstitut am Freitag.

Bei der Untersuchung der Frucht- und Samensammlung aus Messel fanden die Forscher 140 verschiedene Pflanzengattungen, darunter 65 bisher unbekannte. Die Ergebnisse wurden in den "Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung" veröffentlicht. In der Messeler Ölschiefergrube, die wegen ihrer gut erhaltenen Fossilien zum Unesco-Weltnaturerbe gehört, wurden auch zahlreiche versteinerte Tiere gefunden, darunter Urpferdchen, Krokodile, Vögel und Fledermäuse.

Rund 30 000 Pflanzenreste werteten die Forscher aus - Samen und Früchte, Blätter, Blüten und Pollenkörner. "Wir haben sehr viele Überreste von Blütenpflanzen und einige Nadelhölzer gefunden", sagte Wilde. "Beeindruckt hat uns nicht nur die große Anzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien, sondern auch die Vielfalt der Verbreitungsstrategien." Einige Arten hatten Flügel an ihren Samen, die so mit dem Wind verbreitet werden konnten, andere entwickelten explodierende Kapseln, die ihre Samen im weiten Umkreis verstreuten.

Die Pflanzen lassen Rückschlüsse auf das Klima in der Region zu: "Wir gehen davon aus, dass der Messel-See von einem mehr oder weniger tropischen Regenwald mit verschiedenen Stockwerken umgeben war, ähnlich wie in Gebieten mit einem vergleichbaren Klima zur heutigen Zeit." Unter den untersuchten Pflanzen seien viele Lianen und Sumpfpflanzen. (dpa)

Versteinert: Schildkröten bezahlten Sex mit dem Leben

veröffentlicht um 20.06.2012, 00:09 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 20.06.2012, 00:09 ]

Weser-Kurier vom 19.6.2012
Darmstadt/Tübingen.
Ihre Liebelei haben Wasserschildkröten in der Grube Messel bei Darmstadt vor Jahrmillionen mit ihrem Leben bezahlt.
 
 
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Eines von neun bekannten Paaren der Schildkrötenart Allaeochelys crassesculpta aus Messel, das bei der Paarung umkam und anschließend versteinert wurde. Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
 

Die versteinerten Pärchen seien mit einem Alter von etwa 47 Millionen Jahren die ältesten je gefundenen Beispiele von sich paarenden Wirbeltieren, schreibt das Team um den Tübinger Wirbeltier-Paläontologen Walter Joyce in den "Biology Letters" der britischen Royal Society. "Die Paare waren so in Trance, dass sie in tieferes, giftiges Wasser sanken und starben", sagte Joyce am Dienstag.

Ihr Schicksal sei eindeutig. "Sie haben genau die Position, die Schildkröten beim Geschlechtsverkehr einnehmen", sagte Joyce. Es handele sich auch zweifelsfrei um Männchen und Weibchen. Zwei der Paare von Allaeochelys crassesculpta beim Geschlechtsverkehr seien nun im Frankfurter Senckenberg-Museum zu sehen.

In der zwischen Frankfurt und Darmstadt gelegenen Grube Messel haben Wissenschaftler schon häufig Funde in einer außergewöhnlich guten Qualität machen können. Dieser Fund sei trotzdem etwas Besonderes, betonte der Leiter der Messelforschung am Senckenberg Forschungsinstitut, Stephan Schaal. "Unter den vielen zehntausenden Fossilien aus der Grube Messel kommen nur diese Schildkröten als Paare vor." Die Fossilien böten so erstaunliche Einblicke in das Leben und die Umwelt urzeitlicher Organismen.

Die Grube Messel soll vor 50 Millionen Jahren bei einem Vulkanausbruch entstanden sein. Der Krater füllte sich mit Wasser, für viele Tiere wurde der See zur tödlichen Falle. Sie ertranken oder vergifteten sich in sauerstoffarmen oder mit vulkanischen Gasen angereicherten Wasserschichten. Die Kadaver sanken zu Boden, wo sie versteinerten. Die Grube ist seit 1995 von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt. (dpa)

Mini-Dino mit schwarzen, farbig schillernden Federn

veröffentlicht um 11.03.2012, 04:16 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 11.03.2012, 04:16 ]

 Weser-Kurier vom 08.03.2012

Mini-Dino mit schwarzen, farbig schillernden Federn

Washington. Die Federn eines der kleinsten Dinosaurier waren wahrscheinlich schwarz und schimmerten je nach Lichteinfall farbig. Das schließen chinesische und US-amerikanische Wissenschaftler aus Untersuchungen eines Microraptors.
 
 
 
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Das Fossil eines Microraptor-Schädels (undatiertes Handout). Foto: Mick Ellison

Die schwarzen Federn konnten demnach einen blauen oder grünlichen Schimmer annehmen, wie die Forscher im Magazin "Science" berichten.

Der kleine Räuber lebte vor etwa 120 Millionen Jahren. Er bildet einen Zweig der Saurier, aus dem sich wahrscheinlich später die Vögel entwickelten. Fossilien dieser Gattung wurden bisher nur in China gefunden und wogen meist unter einem Kilogramm. Microraptor ist auch als "Saurier mit vier Flügeln" bekannt - wegen seiner langen Schwungfedern an den Hinterbeinen.

Beim Gefieder heutiger Vögel stammen die grellen Farben von eingelagerten Farbstoffen, die häufigen Schillerfarben dagegen von Lichtbrechungen an verschiedenen winzigen Strukturen innerhalb der Federn, berichtet Quanguo Li vom Naturkundemuseum in Peking. Die wichtigsten sind Melanosome. Sind diese kleinen, mit dunklem Melanin gefärbten Plättchen parallel zueinander angeordnet, so führen sie zu Lichtbrechungen und Interferenzen und damit zu den typischen metallisch schimmernden Farben eines ansonsten schwarzen Gefieders.

Li und seine Kollegen entdeckten in den Federn des Mini-Sauriers Melanosom-Strukturen, die stark denen heutiger Vögel ähneln, die den farbigen Glanz erzeugen. Zumindest einige Federn des Tieres waren somit daher wahrscheinlich schwarz und schillerten je nach Lichteinfall, ähnlich wie einige heutige Rabenvögel.

Zudem zeigte das untersuchte Exemplar erstmals die vollständigen Schwanzfedern. Dachte man früher, diese seien eher einfach gewesen, so zeigte sich jetzt, dass Microraptor zwei sehr lange Federn besaß, die noch weit über seinen Schwanz hinausragten. Sie dienten wahrscheinlich weniger zum Fliegen als eher der Brautwerbung und Selbstdarstellung, glauben die Forscher. (dpa)

Fossilienfunde füllen Millionen-Jahre-Lücke

veröffentlicht um 06.03.2012, 00:36 von Rainer Meyer

Weser-Kurier vom 6.3.2012
 
Washington. Lange rätselten Paläontologen über eine Millionen Jahre umspannende Fundlücke - im südlichen Schottland entdeckte Fossilien haben sie nun weiter geschlossen.

 

 
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Zwischen einem und zwei Metern lang schätzen Wissenschaftler die Größe eines amphibischen Tieres, dessen ungefähr 360 Millionen Jahre alten Fossilien jetzt gefunden wurden. Foto: Michael Coates/University of Chicago

Die fossilienarme Zeit vor etwa 365 bis 359 Millionen Jahren werde als "Romer-Lücke" bezeichnet und habe ursprünglich sogar 30 Millionen Jahre umfasst, schreiben britische Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Die nun datierten Fossilien bieten dem Bericht zufolge wichtige Informationen zur Entwicklung der ersten terrestrischen Wirbeltiere. Und sie zeigten, dass die Lücke auf einem Mangel an Fundstücken beruhte - und nicht auf einem Mangel an Tieren zu jener Zeit.

Das Team um Jennifer Clack von der Universität von Southhampton berichtet von Überresten von Tieren, die an mehreren Stellen im Süden Schottlands gefunden wurden und die sowohl marines als auch terrestrisches Leben repräsentieren. Mit ihnen lasse sich die bisherige Lücke zwischen hauptsächlich im Wasser lebenden Tetrapoden des Devon mit vielen primitiven Merkmalen und späteren, landlebenden Tetrapoden mit Merkmalen moderner vierbeiniger Tiere füllen.

Die ursprünglichen Formen sind demnach oft etwa ein bis zwei Meter lang, besitzen flossenähnliche Gliedmaßen und verhältnismäßig lange, abgeflachte Köpfe. Die weiter entwickelten Tiere wiesen hingegen eine größere Vielfalt sowie schmalere Köpfe auf. Die Fossilien geben Clacks Team zufolge Hinweise, wie die Anpassungen an ein Leben an Land vonstattengingen. Und sie zeigen, so die Forscher, dass einige Tetrapoden-Linien wohl viel früher entstanden als bislang angenommen.

Einer Theorie nach schuf ein Massenaussterben vor 360 Millionen Jahren die Voraussetzungen dafür, dass moderne Fische und erste Landwirbeltiere sich entwickeln und durchsetzen konnten. Das Devon, das vor 416 Millionen begann und vor 359 Millionen endete, gilt als das Zeitalter der Fische. Zu jener Zeit begannen Vorformen der späteren Landwirbeltiere mit ersten Anpassungen an ein Leben außerhalb des Wassers. Vor 360 Millionen Jahren, am Übergang vom Devon zum Karbon, gab es einen Einschnitt: Viele Tierformen wurden verdrängt, die modernen Wirbeltiere eroberten die Erde. Vermutete Ursache der massiven Veränderungen: ein weltweites Massensterben, dessen mögliche Ursache aber noch unklar ist. (dpa)

Leichenwachs schützt Skelette von Urtieren vor Zerfall

veröffentlicht um 02.02.2012, 01:13 von Rainer Meyer

 
Frankfurt/Main. Das Urpferdchen und andere Tiere aus der Grube Messel bei Darmstadt sind außergewöhnlich gut erhalten. Forscher haben jetzt Leichenwachs als Ursache dafür entdeckt.
     

 

 
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Das Urpferdchen, gefunden in der Grube in Messel, verdankt seinen guten Zustand dem Leichenwachs. Foto: dpa / Archiv

Die zersetzenden Bakterien seien vor rund 47 Millionen Jahren nicht schnell genug gewesen, um die Fettschicht der toten Tiere zu zerstören, erläuterte das Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstituts am Mittwoch. So hätten sich die Tiere in der zum Weltnaturerbe zählenden Grube als "Fettwachsleichen" zu harten Fossilien gewandelt, ohne zu zerfallen.

"Skelette von fossilen Wirbeltieren werden meist als chaotisch verstreute Knochenansammlungen abgelagert", teilte das Institut mit. Normalerweise finde man "hier eine Rippe, dort ein Hüftknochen". Anders in der südhessischen Fossilienfundstätte Grube Messel: Dort fand man die Knochen vieler Urzeittiere genau so vor, wie sie im Körper angeordnet waren. "Weshalb die Skelette im Zusammenhang bleiben, stellt für die Wissenschaft seit Jahrzehnten ein ungelöstes Rätsel dar", berichtet Krister Smith von der Senckenberg-Abteilung Messelforschung. Gemeinsam mit einem Paläontologen aus Rheinland-Pfalz hat er nun eine außergewöhnlich gut konservierte Echse, Geiseltaliellus maarius, untersucht.

Nach dem Tod der Echse sank die Leiche auf den Seeboden, wo normalerweise Mikroorganismen alles Organische zersetzen, so dass das Skelett am Ende in seine Einzelknochen zerfällt. In Messel aber war der Abbau von Weichgewebe über einen längeren Zeitraum gehemmt. Der Grund: "Das Bodenwasser des Messel-Sees war sauerstofffrei", weiß Michael Wuttke aus dem Referat Erdgeschichte der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. "Unter solchen Bedingungen sind Bakterien nicht in der Lage, die Fette von Leichen vollständig aufzulösen."

Die Studie ist im Fachjournal "Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments" (online vorab) veröffentlicht. (dpa)

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