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Haie: Keine monströsen Fressmaschinen

veröffentlicht um 04.06.2011, 00:28 von Rainer Meyer

Ausstellung "Jäger und Gejagte" in Schloss Schönebeck zeigt den Knorpelfisch mit all seinen Facetten

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Haie: Keine monströsen Fressmaschinen

Von Alexander Bösch / Weser-Kurier vom 4.6.2011
Schönebeck. "Wenn man diese Zähne sieht, kann man richtig Angst bekommen", meint Hausmeister Detlev Stöver und blickt ehrfurchtsvoll auf den imposanten Hammerhai im Ausstellungskeller von Schloss Schönebeck. Bis zu 230 Kilo schwer kann der Knorpelfisch werden, die Weibchen erreichen gar deutlich längere Körperlängen von bis zu sechs Metern.

Spätestens seit Steven Spielbergs Film "Der weiße Hai" gilt der imposante Knorpelfisch als blutrünstiger Feind harmlos badender Touristen - und das, obwohl in den Kinostreifen bekanntlich größtenteils Attrappen verwendet wurden. Für Günther Bakalla war nicht nur die durch seine Angriffe auf den Menschen stattfindende einseitige Verdammung des Meerestiers ein wichtiger Impuls für seine Ausstellung "Haie - Jäger und Gejagte", die noch bis Ende Juni in Schloss Schönebeck zu sehen ist. Schließlich würden - man merke auf - in den USA jährlich mehr Menschen durch Schweine getötet als weltweit durch Angriffe von Haien.

Allerlei Wissenswertes

In sieben Vitrinen kann der Besucher nicht nur präparierte Exemplare des Hammer-, Katzen- , Schweinsaugen- und Seidenhais betrachten und deren beeindruckende Kiefer bestaunen, sondern auch allerlei Wissenswertes über die Tiefwasserfische erfahren. Als Schwestergruppe der Knochenfische zählt der Hai zu den Knorpelfischen und besitzt ein hochentwickeltes Gehirn. Vor allem im westlichen und nördlichen Atlantik in einer Tiefe von 400 bis 3775 Metern heimisch, bevorzugen Haie eine Wassertemperatur von 5 bis 13 Grad. Spezielle Adernetze ermöglichen ihm, seine Körpertemperatur stets über der Umgebungstemperatur zu halten.

Bakalla, der kurz vor der Eröffnung der Ausstellung verstarb und deren Durchführung seinen Freunden der Mineralien- und Fossiliengruppe von Schloss Schönebeck übergab, war es ein Anliegen, das Image der Meerestiere als monströse Fressmaschinen zu revidieren. Reich bebilderte und mit entsprechenden Exponaten versehene Vitrinen dokumentieren verblüffende anatomische Besonderheiten wie die absoluten Hochleistungssensoren der Tiere. Haie können im Dunkeln besser sehen als Katzen, bestimmte Gerüche bis zu 10000 mal besser wahrnehmen als Menschen und spüren kleinste Druckunterschiede. Durch ihre Fähigkeit, die von jedem Lebewesen ausgesandten elektrischen Felder zu orten, hat auch gut versteckte Beute meist keine Chance zu entkommen.

Haie seien dennoch stets im Gleichgewicht mit den Beständen ihrer Beute und sorgen somit für ein stabiles maritimes Ökosystem, wird der Besucher über die Tiere informiert, die sich von Plankton, Weichtieren, aber auch Vögeln und Meeressäugern ernähren und sich in über 400 Millionen Jahren perfekt an das Leben fast aller Meeresformen angepasst haben. Doch die Knorpelfische sind bedroht. Ihre fossilen Zähne galten schon im Altertum in pulverisierter Form als Elixier gegen Epilepsie und Fieber, unter dem Namen "Natterzungen" versprach man sich mehr Lebenskraft oder gar eine Steigerung der Potenz. Heute sind es vor allem die als schmackhaft geltenden Haiflossen, wegen der die Meerestiere gejagt werden.

Als Beifang häufig halbtot oder bereits verendet wieder ins Meer geworfen, werden den Tieren von skrupellosen Geschäftemachern häufig noch vorher die Flossen abgeschnitten. Haie, denen dieses grausame Schicksal widerfährt, sterben durch Blutverlust oder Ersticken, da nur durch ständiges Schwimmen sauerstoffreiches Wasser an ihren Kiemen vorbeigeführt wird. Zwischen 10 und 100 Millionen Tiere verenden so pro Jahr qualvoll und landen als Speisefisch oder Suppe in asiatischen Küchen. Dabei rieche rohes Haifleisch eher wenig appetitlich nach Hund, Gebratenes wiederum nach Ammoniak. Da die Fische Harnstoff in ihren Zellen einlagern, müsse das Fleisch erst fermentiert werden.

Eine beachtliche Menge zu betrachtender fossiler Zähne des Sandhais, bis zu 18 Millionen Jahre alt, stammen aus einer Kiesgrube bei Bremen. Haifischzähne, erfährt man, wachsen ein Leben lang am Innenrand des Kiefers in einer Zahnbildungsgrube nach. "Ich habe noch nie im Leben soviel über Haie erfahren", gesteht Ludwig Kopp von der Mineralien-und Fossiliengruppe, der mit der Ausstellung in Schloss Schönebeck den Herzenswunsch von Günther Bakalla in die Tat umzusetzen half.

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