Der Schatz in der Tiefsee / Teil 3

veröffentlicht um 29.03.2011, 00:59 von Rainer Meyer

Deutschland ist nicht das einzige Land, das es auf die bizarren Knollen abgesehen hat

© ROV-Team, IFM-GEOMAR

Tiefseeroboter nach getaner Arbeit: das Gerät ROV KIEL 6000 wird aus dem Atlantik gehoben. Es erkundet den Meeresgrund

Deutschland ist nicht das einzige Land, das es auf die bizarren Knollen abgesehen hat. Gleich neben den deutschen Feldern liegen die Lizenzgebiete von Südkorea, Russland, China, Japan, einem osteuropäischen Staatenverbund und Frankreich. Auch die Firma Nautilus Minerals, die vor Papua-Neuguinea Schwarze Raucher abbauen will, hat gemeinsam mit dem Inselstaat Nauru einen Claim abgesteckt. Gepachtet wurden die Gebiete von der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Jamaika, die von den Vereinten Nationen gegründet wurde. Sie darf Schürfrechte in internationalen Gewässern vergeben. Doch das von ihr verwaltete Gebiet umfasst zwei Drittel der Erdoberfläche, und die ISA hat gerade einmal 32 Mitarbeiter. Kontrolleure oder Schiffe, um in der Tiefsee nach dem Rechten zu sehen, hat die Behörde nicht. Dabei wäre das bitter nötig.

Wie bei den Schwarzen Rauchern ist auch bei den Manganknollen unklar, welche Folgen das Baggern und Bohren in der Tiefsee haben wird. Erste Hinweise alarmieren: Als französische und deutsche Biologen im Sommer 2006 mit dem Tauchboot Nautile zu den Knollenfeldern hinabtauchten, tummelten sich vor den Fenstern ihres U-Boots Garnelen, Seegurken und Anemonen. Selbst im wüstenähnlich wirkenden Meeresboden fanden sie Hunderte Lebewesen. Dann stießen sie auf eine kilometerlange Spur im Meeresboden, in der sämtliche Knollen sowie viele Tier- und Larvenarten fehlten.

»Es sah aus, als sei am Vortag erst ein Bagger durchgefahren«, staunt Pedro Martínez-Arbizu noch heute. Sie hatten die Hinterlassenschaften des Abbautests aus den siebziger Jahren entdeckt. Martínez-Arbizu leitet das Deutsche Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven. »In der Tiefsee«, sagt er, »laufen alle Prozesse etwa 25-mal langsamer ab als an der Oberfläche.« Störungen wirken sich stärker und langfristiger aus als in flachen Gewässern. Inzwischen begleitet der Biologe die Expeditionen der BGR ins Manganknollengebiet, um die dortige Artenvielfalt zu dokumentieren. Noch steht er damit am Anfang.

Dabei gebe es einen Funken Hoffnung, sagen die Forscher: Gemeinsam mit Biologen und Geologen hat die Internationale Meeresbodenbehörde Regeln für die Erkundung der Manganknollen entwickelt. So sollen schonende Techniken eingesetzt und große Gebiete ausgewiesen werden, in denen kein Abbau stattfinden darf. Peter Herzig und Colin Devey hoffen, dass Küstenstaaten wie Neuseeland oder Papua-Neuguinea die Regeln der Behörde übernehmen. Denn Gesetze zum Schutz der Tiefsee vor den Küsten gibt es kaum. Dabei ist diese fremde, dunkle Welt von unschätzbarem Wert: für die Nahrungskette, den Wasserhaushalt und das Klima – und für uns Menschen.

Von Sarah Zierul ist vor Kurzem das Buch »Der Kampf um die Tiefsee« erschienen.

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