Der Schatz in der Tiefsee / Teil 2

veröffentlicht um 29.03.2011, 00:56 von Rainer Meyer   [ aktualisiert: 29.03.2011, 01:04 ]

Rohstoffabbau im Pazifik

Einfach wird der Tiefseebergbau nicht sein, aber er ist definitiv möglich

© BGR

Manganknollen auf dem Meeresboden

»Einfach wird der Tiefseebergbau nicht sein, aber er ist definitiv möglich«, sagt Peter Herzig. Die Ölindustrie zeigt, dass man Rohstoffe aus Tausenden Metern Meerestiefe fördern kann. Die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko zeigt aber auch, welches Risiko damit verbunden sein kann. Extremer Wasserdruck, eiskalte Temperaturen und absolute Dunkelheit machen jedes Manöver in der Tiefsee ähnlich kompliziert wie einen Ausflug ins Weltall.

Nun sind Schwarze Raucher keine Ölquellen, aber auch hier sei Vorsicht geboten, mahnen Colin Devey und Peter Herzig. Die heißen Quellen, die vermutlich schon seit Jahrmillionen existieren, stehen am Anfang einer außergewöhnlichen Nahrungskette: Sie werden von einer exotischen Bakterienart besiedelt, die sich von Schwefelwasserstoff ernährt. Die Bakterien bilden die Lebensgrundlage für Kleinstgetier, das wiederum zur Nahrung für Krebse, Muscheln und Fischlarven wird. Die Artenvielfalt in der Umgebung der Schwarzen Raucher ist größer als im tropischen Regenwald. Haie, Quallen und Wale tauchen regelmäßig hinab, um Nahrung zu suchen. Wer dieses Biotop zerstört, richtet unermesslichen Schaden an.

Es locken noch andere Schätze. In einer Lagerhalle am Stadtrand von Hannover sortiert Michael Wiedicke die Mitbringsel einer Expedition, die von Hawaii aus gestartet war: dunkle, runzelige Metallklumpen, schwarzen Kartoffeln ähnlich. Es sind Manganknollen, die der Geologe der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit schwerem Gerät aus 5000 Metern Tiefe an Bord gezogen hat.

© BGR

Lizenzgebiete zum Abbau von Manganknollen im Pazifik

»Die Knollen enthalten Kupfer, Nickel und Kobalt in viel höheren Konzentrationen, als wir sie aus Erzminen an Land kennen«, erklärt Wiedicke. Die in der Stahl- und Elektroindustrie benötigten Buntmetalle importiert Deutschland bisher aus Russland, Chile und Zentralafrika, zu immer höheren Preisen. Das soll sich ändern. In Wiedickes Büro hängt eine Karte des Pazifiks, die aussieht wie ein Flickenteppich. Wiedicke deutet auf zwei Rechtecke zwischen Hawaii und Mexiko: »Dies ist der deutsche Manganknollen-Claim im Pazifik.« Eine Art 17. Bundesland, in 5000 Metern Meerestiefe.

Die Bundesregierung hat die Gebiete – mit 75.000 Quadratkilometern so groß wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen – seit 2006 gepachtet, um den Manganknollenabbau vorzubereiten. Während der Expeditionen werden Stichproben gesammelt und dreidimensionale Karten des Meeresbodens erstellt. Wiedicke zeigt neueste Fotos: Dicht an dicht liegen die Knollen auf dem Grund. »So sieht es dort fast überall aus, auf einer Fläche, so groß wie die USA.« Nach Berechnungen der BGR könnten die Knollen den weltweiten Bedarf an Buntmetallen etwa hundert Jahre lang decken.

In den siebziger Jahren wurde schon einmal versucht, Manganknollen zu fördern, die deutsche Preussag war daran beteiligt. Doch die Tiefseetechnik war unausgereift, und die Rohstoffpreise brachen ein. Inzwischen sind die Metalle wieder so teuer, dass sich der Aufwand lohnen könnte. Firmen wie AkerWirth in Erkelenz entwickeln Maschinen, die ferngesteuert am Meeresboden Knollen einsammeln könnten, und Bohrtechnik, um die Knollen an Bord des Schiffes zu pumpen, ohne zu viel Sediment aufzuwirbeln. Doch bisher wurde noch kein Gerät in einer Tiefe von 5000 Metern getestet. »Es wird wohl noch mindestens zehn Jahre dauern, bis die Technologie so weit ist«, glaubt Thomas Kuhn, Tiefsee-Geologe an der BGR.

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