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2009-03 / Französische Atlantikküste

von Jürgen Reinhardt / März 2009

Von unseren Gruppenmitgliedern werden Fahrten "ins Grüne" bzw. zu ausgesuchten Lokalitäten, auch im benachbarten Ausland, unternommen. Ein Beispiel zeigen die folgenden Bilder von der französischen Atlantikküste zwischen Cap Gris Nez und Cap Blanc Nez bei Calais. Hier ist der Ärmelkanal am engsten, und England ist in Sichtweite.

Die Fotos zu der Exkursion finden Sie unter dem Artikel.


An der imposanten Steilküste zwischen Wissant und Sangatte (Bilder 1 - 7) sind fossilreiche Schichten der Ober – und Unterkreide aufgeschlossen. Da im Durchschnitt jährlich 5 m der Küstenlinie dem Meer zum Opfer fallen, ist auf lange Sicht für Nachschub an interessantem Material gesorgt. Die Erosion hinterläßt an manchen Orten, bedingt durch wechselnde Lagen weicherer Tone und härterer Gesteine, interessante Strukturen , die an Tropfsteinhöhlen erinnern. - Bei dieser Gelegenheit: die Aushöhlung von Bild 8, aufgenommen im Februar 1999, existiert mittlerweile nicht mehr bzw. ist von Felsabstürzen verschüttet (Februar 2000).

An einigen Stellen unterhalb der Klippen finden sich gehäuft, neben bizarr geformten Markasitknollen, Steinkernfragmente von Ammoniten der Gattung Hoplites aus schwarzem Phosphorit. Zwar sind komplette Gehäuse ziemlich selten, doch geben auch die Bruchstücke aufgrund der Schwarz-weiß-Ornamentierung ihrer komplizierten Lobenlinien schöne Sammlerstücke ab.
Ammoniten finden sich auch unterhalb der weißen Schreibkreideklippen von Cap Blanc Nez, oftmals in Form von Stücken der bis zu einem halben bis einem Meter großen Art Acanthoceras rhotomagense, mit mächtigen Hörnern und Rippen. Komplette Gehäuse gibt es fast ausschließlich in einigen Metern Höhe, unzugänglich in der Steilwand.
Bei Cap Griz Nez dagegen kommen nahezu gleich große Exemplare anderer Arten in bodennahen Schichten vor. Diese lassen sich gegebenenfalls sogar aus den weichen umgebenden Tonen relativ leicht herauskratzen (Bilder 9 u. 10).
Neben den Ammoniten gibt es auch Ansammlungen fossiler Brachiopoden, Muscheln und Bryozoen (Bilder 11 u. 12). Die Muscheln Gervililla sp. und besonders Trigonia sp., sonst eher selten, bilden lokale Pflaster; - die Schalen liegen dicht an dicht, sind leider aber nicht sehr gut erhalten.

Die beste Gelegenheit zur Fossiliensuche ist die Zeit der Winter – und Frühjahrsstürme, wenn Frost und Sturmbrandung an der Küste genagt und dadurch viel Material freigelegt haben.
Warme "Off- Shore"- Kleidung ist beim Sammeln wegen des mit dem ständigen Wind einhergehenden "Chill–Faktors" unvermeidlich (Bilder 13 – 15).

Natürlich ist auch die Sicherheit nicht zu vernachlässigen:
Man sollte immer daran denken, dass die Wände eine erhebliche Erdrutsch – und Steinschlaggefahr darstellen, weshalb das Bearbeiten der Steilküste mit Werkzeugen verboten ist. Ein Helm sollte getragen werden. Ein zweites Gefahrenmoment kommt mit der Flut hinzu: Wer keine nassen Füße riskieren will, ist auf die Beachtung der Tidezeiten angewiesen. Besonders, wer sich unterhalb der Klippen zwischen zwei kleinen " Caps" bewegt, kann solch eine Bucht ab einem gewissen Wasserstand nicht mehr verlassen.

Zur Übernachtung in der Region bieten sich, z. B. in Wissant, Sangatte, Escalles und Audinghen, einige kleine Hotels und Pensionen an.
Wen das rauhe, typische "Kanalwetter" nicht schreckt, mag auch einen der Campingplätze, wie z.B. "La Source", unweit vom Strand von Wissant, ansteuern. Anstatt Wohnwagen oder Wohnmobil kann man hier in jeder Jahreszeit sein Zelt aufstellen (Bild 16). - Sturmfest sollte es allerdings sein!

 

Karten - Übersicht
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