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2015-02 / Über eine Bernsteineidechse

Über eine Bernstein-Eidechse


Reste oder vollständig erhaltene Körper von Tieren im Bernstein werden allgemein als Inklusen bezeichnet. Großen, kräftigen Tieren gelingt es meistens sich aus dem klebrigen Harz zu befreien. Häufig müssen sie dabei einige Glieder zurück lassen. Auch die Spuren ihrer Befreiung finden sich im Bernstein. Zu den seltensten Inklusen zählen Reste von Wirbeltieren. Bisher zählen u. a. dazu Eidechsen und Federn von Vögeln.

Wohl die erste Eidechse die als Inkluse bekannt wurde, ist die Königsberger Bernstein-Eidechse. Sie wurde 1875 gefunden und befand sich vor dem 2. Weltkrieg in der Schausammlung des Geologischen Instituts der Universität Königsberg. Der ehemalige Kustos des Überseemuseums Bremen, Thorwald KRUCKOW („Der Aufschluss“ Jhrg.13, 1962) hat sie noch als 16 jähriger betrachtet und eine Skizze angefertigt (siehe Bild 1). Seinen Angaben zufolge befand sich die Eidechse in einem 10 cm langen, klar/gelben Bernstein. Ihre Größe gibt er mit ca. 4 bis 4,5 cm an. Zum Teil widersprüchliche Angaben (lt. KRUKOW) finden sich bei BACHOFEN-ECH 1949 und ANDREE 1951.

KLEBS macht 1989 den Fund während der 62. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Heidelberg bekannt und gibt als Herkunft die BECKERsche Sammlung an. Zum Teil war der Körper von einem weißen Pilz befallen (= verlumt).

ANDREE vermutet, dass die Eidechse bei der Bedeckung mit dem Harz schon verendet war. Das ließe sich daraus schließen, dass keine Befreiungsspuren ersichtlich sind.

KLEBS sprengte den Stein und fand nur wenige kohlige Reste im Hohlraum. Nach dieser Behandlung waren die Einzelheiten der Beschuppung gut zu erkennen. KLEBS (1910) beschreibt die Eidechse als Cnemidophorus. BOULANGER (1891) glaubt in der Eidechse eine echte Lacertide der Gattung Nucras zu erkennen, sodass der Name Nucras succinea BOULANGER (Bild 2) gilt. Eine Art, deren Vorkommen vorrangig auf das tropische Südafrika beschränkt sei. Durch die bisher erfolgte Präparation (Sprengung des Steins, anschließendes Zusammenkitten u. Auffüllung des Hohlraums mit Kunststoff) hat sich die Erhaltung verschlechtert. Die Königsberger Bernstein-Eidechse wird heute in der Georg-August-Universität Göttingen unter dem Namen Succinilacerta succinea (Böhme & Weitschtat 1998, Mitteilung Geologisches Paläontologisches Institut Universität Hamburg, Nr.81, 203 - 222) aufbewahrt.


 
 
 
                         Bild 1                                                            Bild 2                                    Succinilacerta succinea

                                     







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