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2009-01 / Bernsteininklusen

Bernsteininklusen – Schleifen – Polieren - Konservieren

von Ludwig Kopp / Januar 2009

Bernstein ist fossiles Harz. Einschlüsse im Bernstein nennt man Inklusen. Bernstein ist kein stabiler Stoff. Er unterliegt, sofern er sich nicht in einem konservierendem Milieu befindet, dem Verwitterungsprozeß. Der Bernstein verfärbt sich mit der Zeit von rot bis braun. Es entstehen Risse, die sich bis in den Zentralbereich ausdehnen. Besonders gefährdet sind daher wertvolle und wissenschaftliche Sammlungen in den Museen. Zwei Verfahren der Konservierung werden vorgestellt. Um alle Details einer Inkluse sichtbar zu machen, muss der Stein geschliffen und poliert werden.

Schleifen mit der Hand:

Noch vor dem Schleifen muss die Lage der Inkluse festgestellt werden. Meistens sind die Inklusen sehr klein und sind nur unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Die Schliffflächen sollen möglichst viele Merkmale sichtbar machen. In der Regel genügt eine Seitenansicht Geschliffen wird naß und mit Ölschleifpapier verschiedener Körnung. Ich benutze

Körnung 200 zum Abtrag größerer Mengen,

Körnung 400 zur Herstellung der späteren Sichtfläche und

Körnung 600 als letzten Schliff vor der Politur.

Nach jedem Schleifvorgang sollte die Lage des Einschlusses geprüft werden. Liegt er unerwartet doch nahe der Oberfläche, könnte der Schleifvorgang sie unwiederbringlich zerstört haben. Ich schleife nur soviel vom Stein ab, wie unbedingt nötig ist.

Polieren mit der Hand:

Zur Politur der Steine bieten sich viele Politurmittel an. Nachdem ich die ersten Steine mit Wasser und Kreide geschliffen habe, nehme ich jetzt nur noch - SIDOL METALL Politur mit Anlaufschutz - .

Die Inklusen liegen meist auf einer Schichtfläche, die durch den späteren Harzfluß bedeckt wurde. Die Trennlinie kann man leicht unter dem Mikroskop erkennen. Die Verbindung beider Schichtflächen ist häufig nicht sehr fest. Beim Polieren gegen die Trennlinie wird das Poliermittel somit in den Spalt gedrückt und kann nicht mehr entfernt werden. Die Polierbewegung muss also der Richtung der Trennlinie folgen. Bewährt hat sich die Politur auf Jeansstoff.

Konservierung mit Lack:

Geeignet sind lufttrocknende Holzbodenversiegelungslacke. Ich verwende Acrüdur R 40 (Einkomponenten-Polyurethanharz) mit Acrüdur-Verdünner. Beim Arbeiten sollte unbedingt gelüftet werden, da das Einatmen gesundheitsschädlich ist. Der Lack ist nach ca. 12 Stunden handtrocken und nach ca. 24 Stunden belastbar. Benötigt werden eine große, verschließbare Kiste aus Styropor, Nähnadeln, Zwirnsfaden und Sekundenkleber. Das eine Ende es Zwirnsfaden wird an den Kopf der Nadel verknotet. Das andere Ende wird mit Hilfe eines kleinen Tropfen Sekundenkleber an den Bernstein geklebt. Die Gesamtlänge muss geringer sein als die Innenhöhe der Styroporkiste. Auf die innere Unterseite der Kiste lege ich ein Stück Pappe, da der abtropfende Lack sonst das Styropor auflöst. Der Bernstein wird in zwei Gängen im Tauchverfahren beschichtet. Ist der Körper einer Inkluse nach außen offen, ist dieser mit Sekundenkleber zu schließen.

Erstbeschichtung: Lack : Verdünner = 1 : 3

Zweitbeschichtung: unverdünnt, ca. 4 bis 6 Stunden nach der Erstbeschichtung

Möglichst nur wenig anrühren (Filmdöschen), da der Lack relativ schnell zähflüsig wird.

Den am Faden hängenden Bernstein in den Behälter hängen. Rissigen Bernstein länger im Behälter belassen (ca. eine halbe Minute). Aufsteigende Blasen zeigen an, dass sich vorhandene Risse und Hohlräume mit dem Lack füllen. Beim Herausnehmen des Bernsteins, diesen leicht am Rande des Behälters abstreifen. Nun die Nadel in die Innendecke des Styroporkiste stecken. Die Kiste vorher beschweren. Geraten die Steine wie ein Pendel ins Schwingen, könen sie sich mit dem nächsten Stein verkleben. Also den angemessenen Abstand halten. Bilden sich am unteren Ende Tropfen, ist dieser mit einem dünnen Stab abzunehmen. Nach dem Aushärten der Endbeschichtung (24 Stunden) den Faden eng am Stein abschneiden. Das kleine Ende des Fadens am Stein belassen. Dadurch wird eine „Schwachstelle“ verhindert und ich kann erkennen, dass der Stein schon behandelt wurde. Der so behandelte Stein kann nachträglich auch in Kunstharz eingegossen werden.

Konservierung mit Polyester-Gießharz

Bei der Verwendung mit dem Kunstharz sind ebenfalls die Gefahrenhinweise zu beachten.

Die für das Eingießen vorgesehenen Steine sollten ringsherum mit mindestens 4 bis 5 Millimeter Harz umgeben sein. Das heißt, dass entsprechende Gußformen vorhanden sind. Die angebotenen Polystyroldosen in jeder Größe wären ideale Gußformen, werden aber leider vom Kunstharz angelöst. Da ich einen größeren Bestand an solchen Dosen habe, verwende ich sie aber doch zum Eingießen. Sie haben den Vorteil, völlig durchsichtig zu sein. Ich kann daher beobachten, ob sich beim Eingießen unter dem Steinen (oder Steinen) genügend Gießharz befindet.Vor der Verwendung bestreiche ich sie innen mit Bienenwachs. Bis zum Aushärten des Gießharzes (24 Stunden) bleiben sie noch stabil, sind aber danach ein Abfallprodukt. Da der Bernstein leichter ist als das Harz und somit immer an die Oberfläche treiben würde, müssen wir in 2 Arbeitsgängen konservieren.

1. Arbeitsgang:

Raummaß der Dose berechnen, wieviel ml?

Die Dose wird mit Gießharz gefüllt = Steinhöhe plus 4-5 Millimeter.

Härter in entspr. Tropfenzahl zugeben, pro ml 0,6 bis 0,8 Tropfen, im Mittelmaß 0,7 Tropfen.

Möglichst ohne Blasenbildung verrühren!

Den Stein mit der Sichtseite nach oben einlegen und nicht unter das Harz drücken. Darauf achten, dass sich keine Luftblasen unter dem Stein befinden. Evtl. entstehende Blasen mit einer Nadel an die Oberfläche ziehen. Es dauert ca. eine halbe Stunde bis das Harz geliert. Ersichtlich ist das, wenn die Oberfläche wellig wird. Diser Vorgang kann beschleunigt werden, wenn sich über der Dose eine Wärmequelle befindet, z. B. eine Lampe. Es kann sein, dass der Stein in dieser Zeit seine Lage ändert, darum immer im Auge behalten und ihn, möglichst parallel zur Oberfläche, in die richtige Lage schieben. Wenn man viele kleine Steine hat, kann man auch mehrere Steine z. B. nur Mücken oder Fliegen in einer Dose unterbringen. Dadurch spart man erheblich an Gießharz.

2. Arbeitsgang:

Nun wird die Restmenge mit entspr. Härter angerührt und eingegossen. Es ist also darauf zu achten, dass dafür über dem Stein noch 4 bis 5 Millimeter Platz vorhanden ist. Enstandene Blasen mit einer Nadel entfernen.

Der Gießharzblock ist nach 24 Stunden ausgehärtet und kann dann wie Bernstein geschliffen und poliert werden.

Anmerkung:
Vor vielen Jahren machte ich in Messel einen besonderen Fund. Zu einer Zeit, als dort noch die Privatsammler suchen durften. Es handelt sich um das Blatt eines Liquidambarbaumes. Die Formationen in Messel sind im Eozän entstanden. Zur gleichen Zeit entstand auch der Baltische Bernstein. Den Liquidambarbaum gibt es nur noch in Amerika und in Asien. Er zählt zu den Harzlieferanten. Ist er vielleicht der Harzlieferant des Baltischen Bernsteins?


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