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2008-04 / Marokkanische Kunst - so gut wie geklebt

von Ludwig Kopp / April 2008 

Wohl kaum ein Sammler versäumt den Besuch einer Börse. Sei es, um sich einen Überblick über die neuesten Angebote zu verschaffen, um die eigene Sammlung zu ergänzen oder sich von der angebotenen Pracht genußvoll mitreißen zu lassen. Seit einigen Jahren ist die Vielfalt noch um das Angebot marokkanischer Mineralien, Fossilien und sogenannten „Kunstobjekten" bereichert worden. Hand aufs Herz, wer möchte diese orientalischen Angebote noch missen?

Als Sammler von Trilobiten tat sich eine neue, hoffentlich unerschöpfliche Quelle auf. Schon die ersten Angebote versprachen ein Vorkommen bisher unbekannter und skurilster Arten in vorzüglicher Erhaltung. Wer sich allerdings mit den Kauf in Marokko präparierter Stücke begnügte, mußte nicht selten eine unliebsame Erfahrung machen. In seinen Händen hielt er ein Kunstobjekt marokkanischer Schöpfung und Präpariertechnik. Bevor wir unseren marokkanischen Händler „Lügner oder Betrüger" schelten, sollten wir ein wenig die Gebaren eines Handels in seiner Heimat kennen.

Der Kauf und Verkauf ist, wie ich in Marokko erlebte, eine Art Zeremonie. In freundlicher Atmosphäre wird der übliche Pfefferminztee zubereitet und gereicht. Man hat Freunde und Bekannte in Deutschland, die auch zufällig in der Nähe des Käufers wohnen. Man läßt durchblicken, dass man den Käufer für vermögend hält und dass man selbst für viele hungrige Mäuler zu sorgen hat und dieses günstige Angebot nur einem guten Freunde macht. Entscheidend ist nur der auszuhandelnde Preis. „Echt" ist alles, sonst würde der Käufer es nicht erwerben wollen.

In Deutschland würden wir diese Vertragsform als - gekauft wie besehen - bezeichnen. Wer in Marokko einkauft, sollte den erstgenannten Preis nicht akzeptieren. Ich bin mit ein Zehntel des zuerst verlangten Preises in die Verhandlungen eingestiegen.
Bei den Kunstobjekten, speziell den Trilobiten, kann man unterscheiden in Phantasieobjekte, Fälschungen und Abgüsse.
Die Phantasieobjekte sind durch „Schnitzen" hergestellte Objekte, die wegen ihrer skurilen Form zum Kauf anregen.
Bei den Fälschungen werden Fossilreste verschiedener Individuen, auch verschiedener Arten, zusammengeklebt um Vollständigkeit vorzutäuschen.

Als echt werden auch Abgüsse von Originalen verkauft. Als Trägergestein wird in der Regel das typische Gestein als ganzes Stück oder in Teilen verwandt. Als Kleber oder Ausgleichsmasse dient ein hervorragend zusammengemischter Kunststoff. Zum Schluß erfolgt die typisch marokkanische Sticheltechnik, um Unterschiede zu kaschieren.

Wie erkenne ich Fälschungen und Abgüsse?

  1. Die Umrisse des Fossils wirken unscharf und verwaschen (= Abguß?)
  2. Übermalte Partien lassen sich meist leicht entfernen (mit Seifenwasser abreiben)
  3. Das Wasser versickert im Stein, auf dem Kunststoff bleibt ein Wasserfilm
  4. Man schaue sich zuerst die Unterseite des Stückes an. Die Unterseite wird in der Regel nicht so sorgsam bearbeitet. Sind Bruchlinien sichtbar, müssen sie exakt zusammenpassen. Nicht zusammengehörige Stücke sind mit Kunststoff verklebt und verschmiert.
  5. Beim Kunststoff entstehen Blasen, auch beim Abguß. Diese sind unter dem Mikroskop meist sichtbar.
  6. Trilobitenstacheln waren zu Lebzeiten hohl und zeichnen sich im Gestein als dunkle Ringe ab.
Nach meiner Feststellung fallen nicht nur Laien auf diese „Kunstobjekte" rein. Auch Fachleute zählen zu den Betrogenen. Mittlerweile erscheinen die Objekte auch in großen Kaufhäusern zu Preisen, die eigentlich Echtheit garantieren sollten.

Doch sehen wir das nicht so engstirnig, nehmen wir es wie es ist, als einen kleinen Ausflug auf den orientalischen Basar!





















                                                                          Fälschung                                                                                                                                            Psychopyge elegans


Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich den Handel dieser "Kunstobjekte" in Deutschland für richtig und gut halte.
Fälchungen, Verfälschungen und sogenannte "Ergänzungen" sollte auch auf einer Börse als solche bezeichnet werden. Zumindestens ist beim Verkauf darauf aufmerksam zu machen.
Nachdem ich als langjähriger Sammler zahlreiche Börsen besucht habe, weiß ich, daß fast jeder Stand marokka-
nischer Händler vorbezeichnete Artikel auf dem Tisch hat. Auch auf die Frage, ob der Artikel echt, also unverfälscht sei, wird in der Regel treuherzig die Echtheit garantiertt. Man muss es ganz deutlich sagen, das ist Betrug!!
Mein Vorschlag: Sammler und Käufer, die Opfer solcher Handlung wurden oder deratiges Handeln beobachten, sollten sich an den Veranstalter wenden.
Generell sollten solchen Artikel nur noch mit der Bezeicnung "ERGÄNZT" ausgestellt werden dürfen.
Unverständlich ist für mich, dass die Veranstalter der Börsen, München, Hamburg usw., diesen Betrug in der Regel dulden.

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